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Gaming-Monitor Test: wie wir Monitore prüfen

Unser Prüfverfahren für Gaming-Monitore offengelegt: Messreihenfolge, Bildzeit-Rechnung, Grenzen der 1-ms-Angabe, DisplayHDR-Stufen und die Gewichtung aller Kriterien

Hardware 15 Min. Lesezeit von David Keller

Monitor von hinten im abgedunkelten Messlabor, ein Colorimeter hängt an seinem Kabel vor dem ausgeschalteten Bildschirm.

Das Wichtigste in Kürze

  • Diese Seite beschreibt unser Prüfverfahren für Monitore: was wir messen, in welcher Reihenfolge, womit — und was wir bewusst nicht messen.
  • Die Bildzeit ergibt sich direkt aus der Bildwiederholrate: 1 s geteilt durch die Hertzzahl. 60 Hz sind 16,67 ms pro Bild, 144 Hz 6,94 ms, 240 Hz 4,17 ms.
  • Herstellerangaben zur Reaktionszeit beziehen sich üblicherweise auf Grau-zu-Grau-Übergänge zwischen dem 10-%- und dem 90-%-Punkt der Pixelkurve. Anfang und Ende des Übergangs fallen dadurch aus der Zahl heraus.
  • Bei HDR halten wir uns an die VESA-DisplayHDR-Stufen, weil dort Spitzenhelligkeit und maximaler Schwarzwert festgeschrieben sind — von 400 cd/m² bei 0,4 cd/m² Schwarz bis 1.400 cd/m² bei 0,02 cd/m².
  • Die Gewichtung der Kriterien steht weiter unten als Tabelle. Sie ist eine redaktionelle Entscheidung und kein Naturgesetz — deshalb legen wir sie offen.
  • Kaufempfehlungen stehen nicht hier, sondern in der Kaufberatung. Diese Seite erklärt nur, wie wir zu einem Urteil kommen.

Wozu eine Methodikseite gut ist

Ein Monitortest ohne offengelegtes Verfahren ist eine Meinung mit Zahlen daneben. Wer eine Bewertung liest, sollte nachvollziehen können, unter welchen Bedingungen sie zustande kam und welche Eigenschaften in das Urteil eingeflossen sind. Dafür ist diese Seite da.

Sie ist bewusst keine Kaufberatung. Welcher Monitor zu welcher Spielweise passt, steht in unserer Gaming-Monitor-Kaufberatung. Hier geht es nur um das Verfahren dahinter.

Ein Grundsatz zieht sich durch alles Folgende: Eine Zahl ohne Messbedingung ist wertlos. Eine Reaktionszeit ohne Angabe des Übergangs, eine Helligkeit ohne Angabe der Testfeldgröße, eine Latenz ohne Angabe des Messpunkts — solche Angaben übernehmen wir nicht.

Der Ablauf: sechs Schritte in fester Reihenfolge

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Jeder Schritt setzt voraus, dass der vorherige sauber abgeschlossen ist, sonst misst man Nebenwirkungen statt Eigenschaften.

  1. Auslieferungszustand dokumentieren. Welches Bildprofil ist aktiv, welche Rate läuft über welchen Anschluss, ist eine Überschärfung voreingestellt. Erst danach wird etwas verändert.
  2. Anschluss und Signalweg festlegen. Höchste erreichbare Kombination aus Auflösung, Bildrate und Farbtiefe über eine Verbindung, die der Monitor selbst als voll unterstützt meldet.
  3. Grundbild prüfen. Ausleuchtung, Farbdarstellung, seitliche Betrachtung — vor jeder Bewegungsmessung, weil aggressive Nachbearbeitung alle späteren Werte verfälscht.
  4. Bewegungsdarstellung prüfen. Übergänge zwischen Grauwerten, Verhalten der Beschleunigungsstufen des Overdrive, Sichtbarkeit von Nachzieheffekten und Überschwingern bei jeder Stufe.
  5. Adaptive Bildwiederholrate prüfen. Über den gesamten angegebenen Bereich, nicht nur bei einer Bildrate.
  6. HDR prüfen, falls der Monitor eine Zertifizierungsstufe trägt — und zwar gegen die Kriterien dieser Stufe, nicht gegen ein Gefühl.

Jeder Schritt läuft bei jedem Gerät mit denselben Testinhalten. Ein Test, der die Szenen wechselt, vergleicht nichts.

Bildwiederholrate: die Bildzeit rechnen statt glauben

Die Bildwiederholrate ist definiert als die Anzahl, wie oft ein Rasterdisplay pro Sekunde ein neues Bild anzeigt, angegeben in Hertz. Daraus folgt unmittelbar, wie lange ein einzelnes Bild steht: Bildzeit = 1 Sekunde geteilt durch die Hertzzahl.

Bildzeit bei gängigen Bildwiederholraten, gerechnet als 1 s ÷ Hz
Bildwiederholrate Bildzeit Differenz zur nächstniedrigeren Stufe
60 Hz 16,67 ms —
120 Hz 8,33 ms 8,33 ms weniger als bei 60 Hz
144 Hz 6,94 ms 1,39 ms
240 Hz 4,17 ms 2,78 ms
360 Hz 2,78 ms 1,39 ms

Die Tabelle erklärt eine verbreitete Beobachtung: Der Sprung von 60 auf 120 Hz fühlt sich drastisch an, der von 240 auf 360 Hz kaum noch. Rechnerisch ist der erste Schritt 8,33 ms wert, der letzte 1,39 ms — der Gewinn in Millisekunden schrumpft mit jeder Stufe.

Wir prüfen deshalb auch, bei welchen Kombinationen aus Auflösung und Farbtiefe die angegebene Rate noch anliegt. Ein Anschluss, der sie nur mit reduzierter Farbunterabtastung schafft, ist ein Prüfergebnis und keine Fußnote.

Reaktionszeit: warum „1 ms“ eine Definitionsfrage ist

Reaktionszeit ist die Zeit, die ein Pixel für einen Zustandswechsel braucht, gemessen in Millisekunden. Üblich sind Grau-zu-Grau-Messungen nach einem VESA-Industriestandard, und zwar zwischen dem 10-%- und dem 90-%-Punkt der Pixelantwortkurve.

Dieser Zuschnitt ist der Kern des Problems. Die ersten zehn Prozent und die letzten zehn Prozent eines Übergangs zählen definitionsgemäß nicht mit. Ein Panel, das die letzten Prozentpunkte quälend langsam erreicht, kann trotzdem eine kleine Zahl ausweisen. Hinzu kommt, dass eine einzelne Zahl nur einen einzigen Übergang beschreibt — meist den günstigsten.

Unser Vorgehen daraus: Wir betrachten eine Matrix aus Übergängen über den gesamten Graustufenbereich statt eines Bestwerts, wir notieren zu jeder Overdrive-Stufe getrennt und wir bewerten Gleichmäßigkeit höher als den schnellsten Einzelwert. Ein Panel, dessen Übergänge alle ähnlich lange dauern, wirkt in Bewegung ruhiger als eines mit sehr schnellen und sehr langsamen Übergängen nebeneinander. Langsame Übergänge erzeugen sichtbare Bewegungsunschärfe um bewegte Objekte; zu aggressiv beschleunigte erzeugen helle oder dunkle Säume. Beides notieren wir getrennt.

Was wir dabei streng auseinanderhalten: Reaktionszeit ist nicht Eingabeverzögerung. Die eine beschreibt einen Pixel, die andere die gesamte Kette von der Eingabe bis zum sichtbaren Bild. Wie diese Kette aufgebaut ist, haben wir in Input Lag erklärt auseinandergenommen; wer wissen will, wie unterschiedlich lange einzelne Bilder wirklich brauchen, findet das bei den Frametimes.

Adaptive Bildwiederholrate: was wir am VRR-Bereich prüfen

Eine variable Bildwiederholrate bedeutet, dass das Display seine Rate fortlaufend und ohne Zutun des Nutzers ändert, statt in einem festen Takt zu laufen. Jedes solche Display hat dabei einen Arbeitsbereich, etwa von 30 bis 144 Hz. VESA hat Adaptive-Sync als optionalen Bestandteil von DisplayPort verankert, beginnend mit DisplayPort 1.2a aus dem Januar 2013; in HDMI ist eine VRR-Funktion Teil der 2.1-Spezifikation. Die erste kommerzielle Umsetzung kam 2014 mit Nvidias G-Sync auf den Markt.

Für den Test heißt das drei Dinge. Wir prüfen den Bereich in seiner ganzen Breite statt nur in der Mitte, weil Probleme bevorzugt an den Rändern auftreten. Wir prüfen beide Anschlussarten getrennt. Und wir notieren, ob Helligkeit oder Farbe sichtbar kippen, wenn die Rate stark schwankt.

Was wir nicht tun: eine Zertifizierungsstufe als Qualitätsbeleg übernehmen. Ein Logo sagt, dass eine Prüfung bestanden wurde — nicht, wie sich das Gerät im interessanten Bereich verhält.

Helligkeit, Schwarzwert und HDR: die VESA-Stufen als Maßstab

Bei HDR ist die Lage ungewöhnlich angenehm, weil es einen offenen Kriterienkatalog gibt. VESA schreibt für jede DisplayHDR-Stufe eine Spitzenhelligkeit und einen maximal zulässigen Schwarzwert fest; die Spitzenhelligkeit wird an einem zentralen Testfeld mit acht Prozent Bildfläche gemessen.

DisplayHDR-Stufen nach VESA: Spitzenhelligkeit und maximaler Schwarzwert
Stufe Spitzenhelligkeit max. Schwarzwert
DisplayHDR 400 400 cd/m² 0,4 cd/m²
DisplayHDR 500 500 cd/m² 0,1 cd/m²
DisplayHDR 600 600 cd/m² 0,1 cd/m²
DisplayHDR 1000 1.000 cd/m² 0,05 cd/m²
DisplayHDR 1400 1.400 cd/m² 0,02 cd/m²
True Black 400 / 500 / 600 400 / 500 / 600 cd/m² 0,0005 cd/m²

Der Blick auf die rechte Spalte ist aufschlussreicher als der auf die linke. Zwischen DisplayHDR 400 und der True-Black-Variante derselben Helligkeitsstufe liegt beim Schwarzwert der Faktor 800. Helligkeit allein macht also kein HDR-Bild; der Abstand zwischen hell und dunkel tut es. Wir vermerken deshalb immer beide Werte und nennen die Stufe ausdrücklich, statt „HDR-fähig“ zu schreiben.

Gewichtung der Kriterien

Die folgenden Gewichte sind eine redaktionelle Setzung. Sie spiegeln, was aus unserer Sicht bei einem Monitor für Spiele den Alltag bestimmt — nicht, was sich am besten in einem Datenblatt macht.

Gewichtung im Gesamturteil Monitor
Kriterium Gewicht Was konkret einfließt
Bewegungsdarstellung 25 % Gleichmäßigkeit der Übergänge, Verhalten der Overdrive-Stufen, Säume
Bildqualität im Grundzustand 20 % Ausleuchtung, Farbdarstellung ab Werk, Verhalten bei seitlicher Betrachtung
Adaptive Bildwiederholrate 15 % Breite und Stabilität des Arbeitsbereichs, Verhalten an den Rändern
Signalkette und Anschlüsse 15 % erreichbare Kombinationen aus Auflösung, Rate und Farbtiefe
HDR 10 % Verhalten gegenüber der beworbenen DisplayHDR-Stufe
Bedienung und Menü 10 % Auffindbarkeit der relevanten Schalter, Profile, Werksrücksetzung
Verarbeitung und Ergonomie 5 % Standfuß, Verstellbarkeit, Halterungsaufnahme

Zwei Entscheidungen darin verdienen eine Begründung. HDR bekommt nur zehn Prozent, weil die niedrigen Zertifizierungsstufen einen Schwarzwert erlauben, der den Abstand zwischen hell und dunkel kaum vergrößert — ein Gerät kann die Stufe erfüllen und im Alltag trotzdem wenig HDR-Wirkung zeigen. Und die Bedienung bekommt volle zehn Prozent, weil ein Monitor, dessen Overdrive-Stufe nach jedem Signalwechsel zurückspringt, in der Praxis schlechter läuft als eines mit einem halben Millisekundenvorsprung auf dem Papier.

Was wir nicht messen — und warum das ehrlicher ist

Ein Prüfverfahren wird erst dann nachvollziehbar, wenn auch seine Lücken benannt sind.

  • Keine Werte zur Eingabeverzögerung des Displays in Millisekunden. Eine belastbare Zahl setzt einen definierten Messpunkt und eine Referenzkette voraus. Ohne beides wäre die Zahl eine Behauptung.
  • Keine Frequenzangabe zur Flimmerfreiheit. Wir notieren nur, ob bei geringer Helligkeit sichtbares Flimmern auftritt.
  • Keine Preis-Leistungs-Note. Preise ändern sich schneller als Testberichte; diese Einordnung gehört in die datierte Kaufberatung.
  • Keine Modellempfehlung aus dem Gedächtnis. Was wir nicht selbst geprüft oder aus einer nachprüfbaren Quelle belegt haben, steht nicht im Text.

Der Verzicht kostet Vollständigkeit und bringt Verlässlichkeit. Welche Technik hinter den Unterschieden in der Bewegungsdarstellung steckt, erklären wir getrennt im Vergleich der Paneltechniken; welche Diagonale zu welcher Auflösung passt, rechnen wir bei Monitorgröße und Auflösung durch. Nach demselben Muster arbeiten auch unsere Prüfseiten zur Gaming-Maus und zur Gaming-Tastatur.

Häufige Fragen

Wie viele Millisekunden steht ein Bild bei 144 Hz?

Rund 6,94 ms. Die Bildzeit ist eine Sekunde geteilt durch die Bildwiederholrate: 1 ÷ 144 = 0,00694 s. Zum Vergleich: 60 Hz ergeben 16,67 ms, 240 Hz 4,17 ms und 360 Hz 2,78 ms.

Warum misstraut ihr der Angabe „1 ms Reaktionszeit“?

Weil die Angabe üblicherweise einen Grau-zu-Grau-Übergang zwischen dem 10-%- und dem 90-%-Punkt der Pixelantwortkurve beschreibt. Der Anfang und das Ende des Übergangs sind per Definition nicht enthalten, und eine einzelne Zahl steht meist für den günstigsten aller Übergänge. Wir betrachten deshalb eine Matrix aus Übergängen und bewerten deren Gleichmäßigkeit.

Ist Reaktionszeit dasselbe wie Input Lag?

Nein. Die Reaktionszeit beschreibt, wie lange ein einzelnes Pixel für einen Zustandswechsel braucht. Input Lag beschreibt die gesamte Kette von der Eingabe bis zum sichtbaren Bild und enthält Peripherie, Betriebssystem, Spiel, Renderpipeline und die Bildverarbeitung im Monitor.

Was sagt eine DisplayHDR-Stufe tatsächlich aus?

Sie legt eine Spitzenhelligkeit und einen maximal zulässigen Schwarzwert fest — bei DisplayHDR 400 etwa 400 cd/m² bei 0,4 cd/m² Schwarz, bei DisplayHDR 1400 1.400 cd/m² bei 0,02 cd/m². Die True-Black-Stufen fordern 0,0005 cd/m². Die Stufe ist damit eine belastbare Untergrenze, aber keine Qualitätsnote.

Warum gewichtet ihr HDR nur mit zehn Prozent?

Weil die unteren Zertifizierungsstufen einen vergleichsweise hohen Schwarzwert zulassen. Zwischen DisplayHDR 400 und der True-Black-Variante derselben Helligkeit liegt beim Schwarzwert der Faktor 800. Ein Gerät kann die Stufe erfüllen und im Alltag wenig HDR-Wirkung zeigen, deshalb darf das Kriterium das Gesamturteil nicht dominieren.

Nennt ihr in Tests konkrete Modelle und Preise?

In dieser Methodikseite nicht. Modellnamen und Preise veralten schneller als das Verfahren und gehören in die datierte Kaufberatung, nicht in die Beschreibung des Prüfablaufs.

Quellen

Veröffentlicht am 30. September 2026 · Zuletzt aktualisiert am 30. September 2026