Valorant im E-Sport: wie die Liga aufgebaut ist
Vier Ligen, 48 Teams, drei Blöcke pro Jahr — und 2026 die letzte Saison des Franchise-Modells: der Valorant Champions Tour im Überblick.
E-Sport 12 Min. Lesezeit von Mira Altmann
Das Wichtigste in Kürze
- Riot Games betreibt den Valorant Champions Tour (VCT) mit vier internationalen Ligen — Americas, EMEA, Pacific und China — mit je 12 Teams, insgesamt 48.
- 2026 war die vierte und zugleich letzte Saison des Franchise-Modells: Ab 2027 kehrt die VCT zu einem offenen Qualifikationssystem zurück.
- Das Jahr teilt sich in drei Blöcke: Kickoff und Masters Santiago (15. Januar bis 15. März), Stage 1 und Masters London (März bis 21. Juni), Stage 2 und Champions (Juni bis 18. Oktober).
- Der Kickoff wurde 2026 von Double Elimination auf Triple Elimination umgestellt, Masters Santiago von 8 auf 12 Teams vergrößert.
- Champions 2026 fand in Shanghai statt, die Gruppenphase vom 24. September bis 4. Oktober in vier GSL-Gruppen à vier Teams.
Vier Ligen, 48 Teams, ein Veranstalter
Der Valorant Champions Tour ist Riots zweiter Anlauf, einen E-Sport von Grund auf zu planen, und er ist sauberer gebaut als der erste. Es gibt vier internationale Ligen mit je zwölf Teams: Americas, EMEA, Pacific und China. Zusammen 48 Organisationen, die den kompletten Wettbewerb tragen.
Für Deutschland ist EMEA zuständig. Die Liga spielt nicht in nationalen Abschnitten, sondern als ein Feld über die ganze Region — es gibt also keine deutsche Valorant-Profiliga, die direkt an die Spitze führt, sondern einen europäischen Wettbewerb mit deutschen Spielern darin.
Wie in League of Legends gibt es einen einzigen Veranstalter und damit einen einzigen Kalender. Anders als dort ist dieser Kalender allerdings über alle vier Regionen hinweg synchronisiert: Alle Ligen spielen dieselben Abschnitte zur selben Zeit, damit die internationalen Turniere dazwischen passen.
Der Jahresaufbau in drei Blöcken
Die Saison 2026 lief vom 15. Januar bis zum 18. Oktober. Sie besteht aus drei Blöcken, die jeweils einen regionalen Abschnitt mit einem internationalen Turnier verbinden.
| Block | Zeitraum | Regionaler Teil | Internationales Ziel |
|---|---|---|---|
| 1 | 15.01.–15.03. | Kickoff, Triple Elimination auf LAN | Masters Santiago |
| 2 | März–21.06. | Stage 1: Gruppen im Round Robin, Top 4 in Double-Elimination-Playoffs | Masters London |
| 3 | Juni–18.10. | Stage 2: wie Stage 1, zusätzlich Play-ins mit vier Challengers-Teams je Region | Champions |
Dieser Aufbau hat eine Eigenschaft, die man erst beim zweiten Hinsehen bemerkt: Jeder Block ist ein eigener Wettbewerb mit eigener Qualifikation. Ein Team, das im Kickoff scheitert, hat im März wieder eine volle Chance. Das unterscheidet die VCT deutlich von Dota 2, wo alles an einem Augusttermin hängt.
Kickoff: Triple Elimination als Neuerung
Der Kickoff eröffnet das Jahr und wird in jedem der vier Territorien als eigene LAN-Veranstaltung gespielt. Neu war 2026 der Modus: Aus Double Elimination wurde Triple Elimination mit drei Ästen — Upper, Middle und Lower Bracket. Ein Team scheidet erst nach der dritten Niederlage aus. Gespielt wird im Bo3, die Finals im Bo5.
Die Idee dahinter ist dieselbe wie bei jeder Erweiterung eines Baums: mehr Spiele, mehr Korrekturmöglichkeiten, weniger Zufall in der Endabrechnung. Der Preis ist ein Turnier, das länger dauert und dessen Stand sich schwerer merken lässt — bei drei Ästen ist nicht auf den ersten Blick klar, welche Partie ein Ausscheidungsspiel ist.
Die besten drei jeder Region ziehen vom Kickoff weiter zu Masters Santiago.
Die beiden Masters und wer dort hinkommt
Masters Santiago war 2026 von acht auf zwölf Teams vergrößert worden — drei statt zwei pro Region. Gespielt wurde in einem Schweizer System, aus dem die besten vier in eine Double-Elimination-Bracket einzogen; die topgesetzten Teams überspringen die Schweizer Stufe.
Die Setzung ist dabei bewusst regionsübergreifend angelegt: In der ersten Runde trifft der zweite Startplatz einer Region auf den dritten Startplatz einer anderen. So wird verhindert, dass zwei Teams aus derselben Liga früh aufeinandertreffen — ein Ärgernis bei internationalen Turnieren, weil es einer Region schon vor den Playoffs einen Platz kostet.
Masters London schließt den zweiten Block ab und nimmt die besten drei aus den Stage-1-Playoffs jeder Region auf. Für europäische Zuschauer war das der bequemste Termin des Jahres: internationaler Wettbewerb in europäischer Zeitzone.
Champions: das Saisonfinale und seine Zugänge
Champions ist das Weltturnier der VCT und schloss die Saison 2026 in Shanghai ab, mit dem 18. Oktober als Enddatum. Die Gruppenphase lief vom 24. September bis 4. Oktober: vier GSL-Gruppen mit je vier Teams, jede Gruppe im Double-Elimination-Modus, alle Partien im Bo3. Die besten zwei jeder Gruppe zogen in die Playoffs.
Das GSL-Format ist eine kleine, geschlossene Double-Elimination-Bracket für vier Teams: zwei Auftaktpartien, dann ein Siegerspiel, ein Verliererspiel und ein Entscheidungsspiel. Jedes Team spielt mindestens zweimal, und es gibt kein Rechnen mit Punktdifferenzen wie in einer klassischen Vierergruppe.
Die Startplätze kommen aus zwei Quellen: Die besten zwei der Stage-2-Playoffs jeder Region sind gesetzt, dazu kommen zwei weitere Plätze für die Teams mit den meisten Championship Points, die sich nicht über die Playoffs qualifiziert haben. Dieser Punktemechanismus ist der einzige Teil der VCT, der über einen einzelnen Abschnitt hinaus zählt — er belohnt Beständigkeit über das Jahr.
Das Ende des Franchise-Modells
Die wichtigste Nachricht der Saison 2026 steht nicht im Spielplan. 2026 war die vierte und letzte Saison unter dem Partnermodell: Ab 2027 kehrt die VCT zu einem offenen Qualifikationssystem zurück.
Das ist eine Kehrtwende. Riot hatte das Franchise-System 2023 eingeführt, um Organisationen Planungssicherheit zu geben — ein Platz in der Liga, unabhängig von der Tabelle, dafür Investitionen in Infrastruktur und Nachwuchs. Genau dieses Modell wird nun aufgegeben.
Stand: 30. September 2026. Wie das offene System ab 2027 konkret aussehen wird, war zum Redaktionsschluss nicht im Detail veröffentlicht. Verbindlich ist allein die Ankündigung von Riot.
Bemerkenswert ist die Richtung im Vergleich: Counter-Strike hat seine Partnerverträge auf Druck von Valve verloren, Valorant gibt sie freiwillig auf. In beiden Fällen läuft es darauf hinaus, dass sportliche Ergebnisse wieder über Startplätze entscheiden.
Wie man von unten nach oben kommt
Unterhalb der vier Ligen liegt das Challengers-System — regionale Wettbewerbe, in Deutschland als Teil des europäischen Unterbaus. Über den Ascension-Wettbewerb können Teams von dort in eine internationale Liga aufsteigen; 2026 kamen in EMEA drei aufgestiegene Organisationen hinzu, eine weitere wurde als Partner aufgenommen.
Zusätzlich gibt es seit 2026 einen zweiten, kürzeren Weg: Vier Challengers-Teams je Region nehmen an den Play-ins von Stage 2 teil. Damit haben sie einen direkten Pfad in Richtung Champions, ohne vorher aufgestiegen zu sein.
Das ist die pragmatische Antwort auf ein Problem, das alle geschlossenen Ligen haben: Wenn unten niemand etwas zu gewinnen hat, hört unten der Wettbewerb auf.
Was Valorant von den anderen Disziplinen unterscheidet
Drei Dinge fallen im Vergleich auf. Erstens der synchronisierte Kalender: Alle vier Ligen spielen dieselben Abschnitte, sodass internationale Turniere sauber dazwischenpassen. Zweitens die drei vollwertigen Anläufe pro Jahr statt eines einzigen Saisonziels. Drittens die Bereitschaft, das Format jedes Jahr anzufassen — 2026 allein Triple Elimination im Kickoff, ein größeres Masters und neue Play-ins.
Für Zuschauer heißt das: Der Einstieg ist einfach, weil es einen Plan gibt. Wer aber nach einer Pause zurückkommt, sollte das Format neu nachlesen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich etwas geändert hat, ist hoch. Und wer selbst spielt: Wie stark die Verbindung die eigene Wahrnehmung eines Taktik-Shooters prägt, steht in unserer Erklärung zu Ping, Tickrate und Netcode.
Häufige Fragen
Wie ist die Valorant-Liga aufgebaut?
Riot betreibt vier internationale Ligen — Americas, EMEA, Pacific und China — mit je 12 Teams, insgesamt 48. Für deutsche Spieler und Zuschauer ist EMEA zuständig; eine eigene nationale Profiliga gibt es nicht.
Wie läuft eine VCT-Saison ab?
In drei Blöcken. Kickoff und Masters Santiago vom 15. Januar bis 15. März, Stage 1 und Masters London von März bis 21. Juni, Stage 2 und Champions von Juni bis 18. Oktober. Jeder Block hat eine eigene Qualifikation zu seinem internationalen Turnier.
Was hat sich 2026 am Format geändert?
Der Kickoff wurde von Double Elimination auf Triple Elimination mit Upper, Middle und Lower Bracket umgestellt. Masters Santiago wuchs von 8 auf 12 Teams, also drei statt zwei pro Region. Zusätzlich nehmen seit 2026 vier Challengers-Teams je Region an den Play-ins von Stage 2 teil.
Wie qualifiziert man sich für Champions?
Die besten zwei Teams der Stage-2-Playoffs jeder Region sind gesetzt. Zwei weitere Plätze gehen an die Teams mit den meisten Championship Points, die sich nicht über die Playoffs qualifiziert haben.
Bleibt das Franchise-System bestehen?
Nein. 2026 war die vierte und letzte Saison des Partnermodells. Ab der Saison 2027 kehrt der Valorant Champions Tour zu einem offenen Qualifikationssystem zurück.
Kann ein Team aus den Challengers aufsteigen?
Ja, über den Ascension-Wettbewerb. In EMEA kamen 2026 drei aufgestiegene Organisationen hinzu, eine weitere wurde als Partnerteam aufgenommen. Zusätzlich führen die Play-ins von Stage 2 für vier Challengers-Teams je Region direkt in Richtung Champions.
Quellen
- Wikipedia — 2026 Valorant Champions Tour, abgerufen am 30.09.2026
- Liquipedia — VALORANT Champions Tour 2026, abgerufen am 30.09.2026
- Liquipedia — VALORANT Champions 2026, abgerufen am 30.09.2026
- Wikipedia — Valorant Masters Santiago 2026, abgerufen am 30.09.2026
- Wikipedia — Valorant Masters London 2026, abgerufen am 30.09.2026
- Sheep Esports — 2026 Champions Tour schedule, dates and locations, abgerufen am 30.09.2026
Veröffentlicht am 30. September 2026 · Zuletzt aktualisiert am 30. September 2026