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Glücksspielradar
Ratgeber

Streaming von Spielen: Bitrate und Encoder

Welche Bitrate YouTube für 720p bis 4K empfiehlt, wann Hardware-Encoder reichen und was CBR, Keyframes und AV1 für einen stabilen Stream bedeuten.

Ratgeber 13 Min. Lesezeit von Jonas Reinhardt

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Plattform empfiehlt die Bitrate, sie erzwingt sie nicht: YouTube nennt für 1080p bei 60 fps mit H.264 mindestens 6 und empfohlen 17 Mbit/s, mit AV1 oder H.265 mindestens 4 und empfohlen 12 Mbit/s.
  • Für Livestreams gilt eine konstante Bitrate (CBR) mit einem Keyframe alle zwei Sekunden, höchstens alle vier.
  • Hardware-Encoder (NVENC, AMF, Quick Sync) nehmen der CPU die Arbeit ab. OBS empfiehlt sie für die beste Performance, moderne Generationen liefern sehr gute Bildqualität.
  • AV1 codiert eine GeForce erst ab der RTX-40-Serie in Hardware. In NVIDIAs Tabelle steht für RTX 30 und RTX 20 kein AV1-Encoding.
  • Twitch-Werte stehen hier bewusst nicht: Die Hilfeseite ließ sich bei der Prüfung nicht abrufen.

Was Bitrate und Encoder festlegen

Ein Livestream besteht aus Bild und Ton, die vor dem Senden komprimiert werden. Der Encoder übernimmt die Komprimierung, die Bitrate gibt vor, wie viele Daten pro Sekunde dabei höchstens entstehen. Mehr Bitrate heißt bei gleichem Codec mehr Detail in schnellen Szenen, aber auch mehr Upload, den die Leitung dauerhaft liefern muss.

Zwei Entscheidungen hängen daran. Der Codec bestimmt, wie effizient komprimiert wird: H.264, H.265 (auch HEVC genannt) oder AV1. Der Encoder bestimmt, wo gerechnet wird, auf der CPU (Software, bei OBS x264) oder auf einem eigenen Baustein der Grafikkarte (Hardware: NVENC, AMF, Quick Sync). Beides zusammen entscheidet, ob der Stream sauber aussieht und ob das Spiel dabei flüssig bleibt. Ruckelt es erst, sobald der Stream läuft, hilft der Beitrag Aufnahme ohne FPS-Verlust weiter.

Welche Bitrate YouTube empfiehlt

Die YouTube-Hilfe gibt pro Auflösung und Bildrate einen Bereich an: eine Mindestbitrate und eine empfohlene Bitrate, getrennt nach Codec. Die Tabelle übernimmt die Stufen, die bei Spielen am häufigsten vorkommen.

Bitraten-Empfehlung der YouTube-Hilfe für Livestreams in Mbit/s
Auflösung und Bildrate H.264 mindestens H.264 empfohlen AV1/H.265 mindestens AV1/H.265 empfohlen
720p bei 30 fps 3 8 2 6
1080p bei 30 fps 5 14 4 10
1080p bei 60 fps 6 17 4 12
1440p bei 60 fps 8 34 6 24
4K bei 60 fps 14 50 10 35

Die Mindestbitrate ist die Untergrenze, die empfohlene Bitrate das Ziel. Auffällig ist der Abstand der Codecs: Für AV1 und H.265 setzt YouTube auf jeder Stufe niedrigere Werte an als für H.264, bei 1080p mit 60 fps etwa 12 statt 17 Mbit/s. Daran lässt sich ablesen, was der effizientere Codec leisten soll: gleiche Qualität bei weniger Datenrate.

Wer über den Live Control Room streamt, gibt im Encoder nur Auflösung, Bildrate und Bitrate an. YouTube erkennt die Einstellungen selbst und transcodiert den Stream in mehrere Ausgabeformate, damit Zuschauer ihn auf jedem Gerät und in jedem Netz sehen können.

Und Twitch?

Twitch veröffentlicht seine Vorgaben in den Broadcasting Guidelines der Twitch-Hilfe. Die Seite ließ sich bei unserer Prüfung am 30. September 2026 nicht auslesen, sie lieferte nur ein Seitengerüst. Bitratenwerte nennen wir nur mit Herstellerquelle, deshalb steht hier bewusst keine Twitch-Zahl. Wer dort streamt, liest die aktuellen Werte in der Twitch-Hilfe nach und trägt sie in den Encoder ein. Alles Weitere in diesem Beitrag gilt unabhängig von der Plattform.

Die eigene Leitung prüfen, bevor die Bitrate feststeht

YouTube rät, vor dem Einrichten einen Geschwindigkeitstest der Upload-Bitrate zu machen und eine Qualität zu wählen, die bei der eigenen Verbindung zuverlässig läuft. Für den Privatanschluss bietet die Bundesnetzagentur die Breitbandmessung an: Die Desktop-App ermittelt die tatsächliche Datenübertragungsrate des Internetzugangs und vergleicht sie mit der vertraglich vereinbarten. Für den Stream zählt der Upload, nicht der Download.

Plane die Bitrate so, dass sie deutlich unter dem gemessenen Upload bleibt. Der Stream ist selten der einzige Verkehr im Haushalt, und ein Test ist eine Momentaufnahme. YouTube empfiehlt außerdem, vor dem Start zu testen, und zwar mit ähnlichen Audioelementen und ähnlichen Bewegungen im Bild wie im geplanten Stream, und die Qualität während der Übertragung im Auge zu behalten.

Hardware- oder Software-Encoder

Die OBS-Wissensdatenbank empfiehlt Hardware-Encoder allgemein für die beste Performance, weil sie die Arbeit von der CPU auf einen spezialisierten Baustein der Grafikkarte verlagern. Moderne Hardware-Encoder liefern laut OBS sehr gute Bildqualität bei minimalem Leistungsverlust. Frühere Generationen fallen zurück: Bei gleicher Bitrate liegen sie hinter dem x264-Softwareencoder in der Standardstufe „veryfast“, bieten dafür kaum Last. OBS nennt sie einen letzten Ausweg, wenn Software-Encoding an der Leistung scheitert.

Hardware-Encoder und ihre Voraussetzungen laut OBS
Encoder Voraussetzung
NVIDIA NVENC GeForce 750 Ti oder 900er-Serie (Maxwell) und neuer; beste Ergebnisse ab der 6. Generation (Turing), dazu zählt die GTX 1650 ab Revision 2
AMD AMF Advanced Media Framework unter Windows und Linux; kompatible Karten nennt die AMF-Dokumentation
Intel Quick Sync Intel-HD-Grafik ab Core-i-CPU der Serie 2xxx (Sandy Bridge), empfohlen ab 4xxx (Haswell)
Apple VideoToolbox Streaming nur auf Apple-Silicon-Macs mit H.264; Intel-Macs können nicht streamen

Bei Quick Sync gibt OBS eine klare Regel vor: den Encoder der Grafikkarte nehmen, die im Rechner die Hauptarbeit macht. Wer eine NVIDIA- oder AMD-Karte eingebaut hat, nutzt in der Regel NVENC oder AMF statt Quick Sync.

Codec: H.264, H.265 oder AV1

YouTube nimmt Livestreams in H.264, H.265 und AV1 an. Für HDR nennt die Hilfe H.265, AV1 wird für HDR nicht unterstützt. Wer in SDR streamt, hat die freie Wahl, sofern der Encoder mitspielt.

Bei Hardware-Encodern der GeForce-Karten ist AV1 eine Generationsfrage. NVIDIAs Support-Matrix führt AV1-Encoding (YUV 4:2:0) bei der GeForce RTX 4060 (Ada Lovelace) und bei den RTX-50-Modellen (Blackwell) mit „YES“, bei der RTX 3060 (Ampere) und bei RTX 2060 und 2070 (Turing) mit „NO“. HEVC in 4K steht bei allen drei Generationen auf „YES“. Wer eine ältere Karte besitzt, streamt daher mit H.264 oder HEVC; der Bitratenvorteil von AV1 bleibt ihm verschlossen.

Die sichere Voreinstellung ist H.264, weil jeder Encoder und jede Plattform es kann. AV1 oder H.265 lohnen sich, wenn sie beide Seiten tragen und die Leitung knapp ist.

CBR, Keyframes, B-Frames und Ton

Für Livestreams listet die YouTube-Hilfe konkrete Encoder-Einstellungen. Die wichtigsten auf einen Blick:

Empfohlene Encoder-Einstellungen für YouTube Live
Einstellung Empfehlung
Protokoll RTMP oder RTMPS; YouTube empfiehlt RTMPS, weil die Daten verschlüsselt übertragen werden
Bitratenmodus CBR, also konstante Bitrate
Keyframe-Frequenz alle zwei Sekunden empfohlen, nicht mehr als vier
Frame-Typen progressiver Scan, 2 B-Frames, 1 Referenzframe
Entropiecodierung CABAC
Farbraum und Bittiefe Rec. 709, 8 Bit für SDR
Ton AAC oder MP3; Stereo mit 44,1 kHz und 128 kbit/s, 5.1 mit 48 kHz und 384 kbit/s (5.1 nur mit AAC)

Dass CBR zur Grundeinstellung gehört, ist kein Zufall. OBS schreibt an anderer Stelle, die meisten Streamingdienste verlangten konstante Bitraten; das ist der Grund, warum Intel-Macs mit Apples Hardware-Encoder nicht streamen können.

Was OBS 31 bei NVENC zusätzlich bietet

Seit OBS 31.0 bietet die NVENC-Anbindung weitere Optionen, die in der OBS-Dokumentation beschrieben sind. Für Streams von Spielen sind vier relevant:

  • Variable Bitrate with Target Quality: ein Modus, der ähnlich wie CQP arbeitet, aber eine Höchstbitrate erlaubt, um hohe Qualität zu liefern und dabei Dateigröße oder Stream-Bitrate zu begrenzen. Für Livestreams bleibt nach YouTube-Vorgabe CBR die Empfehlung.
  • Tuning „Ultra High Quality“: für Live-Aufnahmen mit Bildrauschen der Kamera gedacht und laut OBS „not recommended for gaming content“. Es senkt den Durchsatz deutlich.
  • Adaptive Quantization: die neue Bezeichnung für das frühere „Psycho-Visual Tuning“.
  • Split Encode: nur für HEVC und AV1 und nur bei Ada-Karten mit mindestens zwei NVENC-Einheiten (ab der 4070 Ti). Es spielt vor allem oberhalb von 4K eine Rolle; bei niedrigen Bitraten kann eine sichtbare Naht zwischen den Bildhälften entstehen.

Checkliste vor dem ersten Stream

  1. Upload messen, etwa mit der Breitbandmessung, und die Bitrate deutlich darunter ansetzen.
  2. Die Werte der Plattform nachlesen: bei YouTube die Tabelle oben, bei Twitch die aktuelle Twitch-Hilfe.
  3. Den Hardware-Encoder der Hauptgrafikkarte wählen, also NVENC, AMF oder Quick Sync.
  4. H.264 als Standard nehmen; AV1 oder H.265 nur, wenn Encoder und Plattform sie tragen.
  5. CBR einstellen, Keyframe alle zwei Sekunden, Ton als AAC mit 128 kbit/s.
  6. Probestream mit ähnlichen Bewegungen wie im echten Spiel und dabei die Spiel-FPS beobachten. Wie sich Bildrate und Frametimes lesen lassen, erklärt FPS, Frametimes und Ruckler.

Häufige Fragen

Welche Bitrate empfiehlt YouTube für 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde?

Laut YouTube-Hilfe mit H.264 mindestens 6 und empfohlen 17 Mbit/s, mit AV1 oder H.265 mindestens 4 und empfohlen 12 Mbit/s.

Reicht ein Hardware-Encoder für einen guten Stream?

Nach der OBS-Wissensdatenbank liefern moderne Hardware-Encoder sehr gute Videoqualität bei minimalem Leistungsverlust. Frühere Generationen erreichen bei gleicher Bitrate nicht die Qualität des x264-Softwareencoders in der Stufe „veryfast“.

Kann meine GeForce-Karte AV1 in Hardware codieren?

Laut NVIDIAs Support-Matrix bei der RTX 4060 (Ada Lovelace) und den RTX-50-Modellen (Blackwell). Bei RTX 3060 (Ampere) und RTX 2060/2070 (Turing) steht AV1-Encoding auf „NO“. HEVC in 4K unterstützen alle drei Generationen.

Warum wird für Livestreams CBR empfohlen?

YouTube nennt CBR als Bitratenmodus für Livestreams. Die OBS-Dokumentation schreibt außerdem, dass die meisten Streamingdienste konstante Bitraten verlangen.

Wie oft soll ein Keyframe gesendet werden?

YouTube empfiehlt einen Keyframe alle zwei Sekunden und nennt vier Sekunden als Obergrenze.

Welche Ton-Bitrate nennt YouTube für Livestreams?

128 kbit/s für Stereo bei 44,1 kHz und 384 kbit/s für 5.1-Surround bei 48 kHz. Als Audio-Codec sind AAC und MP3 möglich, 5.1 nur mit AAC.

Veröffentlicht am 30. September 2026 · Zuletzt aktualisiert am 30. September 2026