Zum Inhalt springen
Glücksspielradar
Ratgeber

Aufnahme ohne FPS-Verlust: was kostet Leistung

Warum Aufnahme und Stream die Grafikkarte belasten, welche Maßnahmen laut OBS zuerst helfen und wie Hardware-Encoder die Last vom Prozessor nehmen.

Ratgeber 13 Min. Lesezeit von David Keller

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Aufnahme kostet vor allem GPU-Zeit: OBS setzt die Szene auf der Grafikkarte zusammen und codiert sie danach. Ist die Karte vom Spiel schon ausgelastet, bleibt für OBS zu wenig übrig.
  • Die erste Maßnahme laut OBS: das Programm unter Windows als Administrator starten, damit Windows GPU-Kapazität für OBS reserviert.
  • Die zweite: die Bildrate des Spiels begrenzen, am besten auf die Bildwiederholrate des Monitors, oder V-Sync einschalten. Darüber liefern zusätzliche Bilder laut OBS sinkenden Nutzen.
  • Hardware-Encoder (NVENC, AMF, Quick Sync) verlagern die Encoding-Arbeit. Moderne Generationen liefern sehr gute Qualität bei minimalem Leistungsverlust.
  • Reicht das nicht, bleiben niedrigere Grafikeinstellungen, 30 statt 60 fps in der Ausgabe und einfachere Szenen.

Wohin die Leistung bei einer Aufnahme geht

Wer aufnimmt oder streamt, fragt sich meist, warum das Spiel langsamer wird, obwohl doch „nur“ ein Video mitläuft. Die OBS-Dokumentation erklärt es in zwei Teilen. OBS braucht Zeit auf der Grafikkarte, weil es die Szene aus Spielbild, Overlays und Kamera zusammensetzen muss. Danach kommt das Encoding, also das Komprimieren des fertigen Bildes. Beides konkurriert mit dem Spiel um dieselbe Karte.

Zwei Fehlerbilder lassen sich unterscheiden. Sinkt die Bildrate im Spiel, ist die Karte insgesamt überlastet. Bleibt das Spiel flüssig, aber die Aufnahme ruckelt und OBS meldet „Encoding overloaded“, hat nach OBS entweder die GPU zu viel zu tun oder es gibt einen Engpass zwischen GPU und restlichem System. Die Ursachen sind verwandt, die Lösungen auch. Wie du Bildrate und Frametimes sauber misst, steht in FPS, Frametimes und Ruckler.

Die hier zitierten OBS-Seiten tragen unterschiedliche Seitenstände zwischen 2021 und 2024. Menüs können in neueren OBS-Versionen etwas anders heißen; die Reihenfolge der Maßnahmen bleibt sinnvoll.

Hardware-Encoder statt Prozessor

Die OBS-Wissensdatenbank empfiehlt Hardware-Encoder allgemein, weil sie die Arbeit an einen spezialisierten Baustein der Grafikkarte abgeben und den Prozessor freihalten. NVENC von NVIDIA läuft auf GeForce-Karten ab der 750 Ti und der 900er-Serie, die besten Ergebnisse gibt es laut OBS ab der Turing-Generation. AMDs AMF und Intels Quick Sync erfüllen dieselbe Aufgabe. Bei Quick Sync gilt: den Encoder der Hauptgrafikkarte nutzen, also bei eingebauter NVIDIA- oder AMD-Karte meist NVENC oder AMF.

Frühere Generationen der Hardware-Encoder sind zwar schonend, liefern aber bei gleicher Bitrate ein schlechteres Bild als der x264-Softwareencoder in der Stufe „veryfast“. OBS nennt sie dann einen letzten Ausweg. Welche Bitraten und Codecs für Streams sinnvoll sind, beschreibt Streaming von Spielen: Bitrate und Encoder.

Die Maßnahmen in der Reihenfolge, die OBS vorgibt

Die OBS-Anleitung zur Fehlersuche bei Encoding-Überlastung geht von einfach zu aufwendig vor. Die Reihenfolge lohnt sich, weil die ersten Schritte keine Bildqualität kosten.

1. OBS als Administrator starten

Unter Windows kann OBS das Betriebssystem bitten, GPU-Kapazität zu reservieren. Laut OBS löst das Problem der GPU-Überlastung in vielen Fällen schon dieser Schritt. OBS beenden, per Rechtsklick auf die Verknüpfung „Als Administrator ausführen“ wählen, fertig.

2. Andere GPU-Verbraucher schließen

Ein zweites Spiel im Hintergrund oder ein Programm, das die Grafikkarte zum Rechnen nutzt, nimmt Leistung weg. Der Task-Manager zeigt die Last pro Programm an. OBS warnt allerdings davor, etwas zu schließen, dessen Zweck man nicht kennt.

3. Bildrate des Spiels begrenzen

OBS nennt das die beste Option: die Bildrate des Spiels auf die Bildwiederholrate des Monitors begrenzen, bei 144 Hz also auf 144, oder im Spiel V-Sync aktivieren. Läuft das Spiel ungebremst mit mehr Bildern, als der Monitor zeigen kann, bringen diese laut OBS „diminishing returns“, sinkenden Nutzen, weil weder Spieler noch OBS sie sehen. Wie sich ein Bildratenlimit auf die Eingabeverzögerung auswirkt, behandelt Input Lag erklärt.

4. Grafikeinstellungen im Spiel senken

Wenn Spiel-FPS und OBS-FPS zusammen nicht stabil bleiben, schafft das System die Kombination aus maximalen Einstellungen und OBS nicht. Dann gibt es nur den Weg, dem Spiel weniger abzuverlangen.

5. „Multi-Adapter-Kompatibilität“ ausschalten

Die Option der Spielaufnahme-Quelle braucht man laut OBS nur bei Mehrfach-GPU-Gespannen (SLI oder CrossFire) oder bei Notebooks mit zwei Grafikchips. In allen anderen Fällen sollte sie aus sein.

6. Windows-Spielfunktionen prüfen

Der Spielmodus von Windows bevorzugt das Spiel und kann andere Prozesse wie OBS ausbremsen. OBS schreibt, bei aktuellen Windows-10-Versionen könne er an bleiben, bei Versionen älter als 1809 solle er aus sein. Game DVR, die Hintergrundaufnahme von Windows, sollte man bei der Nutzung von OBS ausschalten, da sie zusätzliche Ressourcen braucht.

Ausgabe verkleinern: Auflösung und Bildrate

Reicht die Leistung trotzdem nicht, kommt die Ausgabe von OBS an die Reihe. Eine kleinere Ausgabeauflösung verringert die Last auf den Encoder, eine niedrigere Bildrate entlastet Rendering und Encoding gleichermaßen. OBS nennt als Beispiel den Wechsel von 60 auf 30 Bilder pro Sekunde.

Die Basisauflösung (Canvas) zu senken empfiehlt OBS nicht ohne Not, weil dadurch alle Quellen neu positioniert werden müssen. Der Hinweis gilt nur für den Fall, dass der Rechner wirklich an der Grenze arbeitet. Wer die Auflösung ändert, legt dafür zuerst eine neue Szenensammlung an.

Szenen und Quellen schlank halten

Jede Quelle in einer Szene braucht Ressourcen, die meisten auch dann, wenn sie gerade nicht sichtbar sind. OBS erklärt, dass so Übergänge zwischen Szenen flüssig bleiben. Bei großen Szenensammlungen summiert sich das. Die Dokumentation empfiehlt konkret:

  • Videoquellen und Mediendateien nur in der Auflösung einbinden, in der sie gebraucht werden. Ein 4K-Video nützt nichts, wenn die Ausgabe in 1080p läuft.
  • Filter sparsam einsetzen und auf möglichst kleine Quellen anwenden statt auf ganze Szenen. Im Zweifel einen Filter testweise ausschalten.
  • Browserquellen begrenzen. Sie können viele Ressourcen verbrauchen, vor allem Overlays mit aufwendigem JavaScript, etwa für Spendenanzeigen. Statische Grafiken lassen sich als Bildquelle einbinden, Videos als Medienquelle.
  • Die Szenensammlung klein und thematisch getrennt halten, statt jede Szene in einer einzigen Sammlung zu sammeln.

Aufnahmeformat und Qualitätsstufe

Für die Aufnahme empfiehlt OBS das Format MKV. Bricht die Aufnahme unerwartet ab, etwa durch einen Absturz, bleibt eine MKV-Datei nutzbar, während ein abgebrochenes mp4 komplett beschädigt sein kann. Wer mp4 braucht, lässt die Datei nachträglich umwandeln: über „Datei → Aufnahmen remuxen“ oder automatisch nach dem Stoppen, wenn die Option im erweiterten Reiter aktiv ist.

Wichtig für die Leistung: Jede Qualitätsstufe der Aufnahme, die nicht „wie Stream“ lautet, kostet laut OBS zusätzliche Ressourcen. Wer zugleich streamt und aufnimmt, spart also Rechenzeit, wenn die Aufnahme den Encoder des Streams mitnutzt, statt einen zweiten laufen zu lassen. Wer sich für eine getrennte Aufnahme entscheidet, bekommt mehr Einstellmöglichkeiten, etwa Bitrate und Voreinstellung, zahlt dafür aber mit Leistung.

NVENC-Feinheiten seit OBS 31

Zusätzliche Optionen der NVENC-Anbindung bringen nicht automatisch mehr Bilder pro Sekunde. Zwei Hinweise aus der OBS-Dokumentation sind für die Leistung wichtig. Das Tuning „Ultra High Quality“ ist für Aufnahmen mit Kamerarauschen gedacht, nicht für Spiele, und es senkt den Durchsatz deutlich. „B-Frame as Reference“ gilt für HEVC und AV1 und kann nach OBS die Qualität leicht verbessern, ohne die Leistung zu beeinträchtigen. Split Encode verteilt ein Bild auf mehrere NVENC-Einheiten und setzt eine Ada-Karte mit mindestens zwei Einheiten voraus, also ab der 4070 Ti.

So prüfst du, ob es geholfen hat

Vergleiche dieselbe Spielszene zweimal: einmal ohne und einmal mit laufender Aufnahme. Entscheidend sind die Bildrate und die Frametimes, nicht nur der Durchschnittswert. Steigt nach einer Änderung die Zahl der „Encoding overloaded“-Meldungen oder sinken die schwächsten Einzelwerte im Spiel, war die Änderung kein Fortschritt. Ändere immer nur eine Stellschraube pro Durchgang, sonst bleibt unklar, welche gewirkt hat.

Wenn das Spiel mit Aufnahme gerade so flüssig läuft, verdient der Rest des Systems einen Blick. Für eine Karte, die 1440p ohne Nebenlast schafft, ist die Kaufberatung zur Grafikkarte für 1440p die passende Einordnung.

Häufige Fragen

Verliere ich mit NVENC Bilder pro Sekunde?

OBS schreibt, moderne Hardware-Encoder lieferten sehr gute Qualität bei minimalem Leistungsverlust. Ganz kostenlos ist es nicht: OBS braucht weiter GPU-Zeit, um die Szene zusammenzusetzen.

Warum ruckelt die Aufnahme, obwohl das Spiel gute FPS zeigt?

Nach OBS ist dann entweder die Grafikkarte überlastet oder es gibt einen Engpass zwischen GPU und restlichem System. Typische Schritte sind OBS als Administrator starten, die Bildrate des Spiels begrenzen und die Ausgabe senken.

Hilft es wirklich, OBS als Administrator zu starten?

Laut OBS lassen sich GPU-Überlastungen in vielen Fällen schon damit lösen, weil Windows dann GPU-Kapazität für OBS reserviert. Der Tipp gilt nur unter Windows.

Soll ich die Bildrate des Spiels begrenzen?

OBS nennt das die beste Option, wenn die GPU am Limit arbeitet. Als Grenze empfiehlt die Dokumentation die Bildwiederholrate des Monitors, also zum Beispiel 144 bei einem 144-Hz-Monitor, oder V-Sync.

Welches Aufnahmeformat ist sinnvoll?

OBS empfiehlt MKV, weil die Datei bei einem ungeplanten Abbruch nicht komplett beschädigt wird. Für mp4 lässt sich die Aufnahme über „Aufnahmen remuxen“ umwandeln oder automatisch nach dem Stoppen remuxen.

Muss ich den Windows-Spielmodus ausschalten?

Nach OBS kann der Spielmodus bei aktuellen Windows-10-Versionen an bleiben; vor Version 1809 sollte er aus sein. Game DVR sollte bei der Nutzung von OBS ausgeschaltet werden. Die Hinweise stammen aus einer Seite mit Stand Juni 2021.

Veröffentlicht am 30. September 2026 · Zuletzt aktualisiert am 30. September 2026